Pressemitteilung vom 26.10.2014: Der Sprecher der eingeschlossenen Eziden zur aktuellen Lage im Sindschargebirge

Der Sprecher der eingeschlossenen Eziden im Sindschargebirge, Nordirak, meldet eine dramatische Verschlimmerung der Lage „Viele Eziden sind schon gestorben: getötet von IS-Kämpfern oder verhungert.“

Die Waffenhilfe aus Deutschland ist bei den Peschmerga angekommen. Ihre neue Ausstattung nutzen sie nun, um Städte und Dörfer zurückzuerobern, aus denen die Menschen vor dem IS geflohen waren. Dort aber, wo Menschen durch IS-Kämpfer jetzt in Bedrängnis sind – im Sindschargebirge, in das sich mindestens zwölftausend Eziden vor den anrückenden Terroristen zu retten versuchten –, schauen sie bislang zu. „Bis heute haben die Peschmerga keinen einzigen Schuß zu unserem Schutz abgegeben“ sagte heute Haider Schescho, der sonst in Deutschland lebende Sprecher der ezidischen Bürgerwehr. Während bei Kobani Bomben auf die IS regnen, ziehen Flugzeuge über dem Gebirge ihre Kreise – und der IS rückt immer weiter vor. „Inzwischen sind sie so nahe gekommen, daß wir die Kommandos der kurdischsprachigen IS-Militanten hören können. Viele Eziden sind schon gestorben, getötet von IS-Kämpfern oder verhungert.“, so Schescho weiter.

Ohne Nachschub und weit schlechter ausgerüstet als die IS, können sich die Kämpfer der Eziden nicht mehr lange wehren. Wenn sie von der IS überrannt werden, droht den eingeschlossenen Frauen und Kindern die Versklavung, den Männern der Tod. Vom Vormarsch des IS überrascht, konnten sie kaum Lebensmittel auf die Flucht mitnehmen. Ohne Hilfe von außen werden sie, von allen Fluchtwegen abgeschnitten, in den nächsten Tagen verhungern.

Neben den ezidischen Kämpfern gibt es innerhalb des hermetischen Belagerungsringes des IS auch muslimische Peschmerga: einen Beobachtungstrupp, der nicht in die Kämpfe eingreift. Hubschrauber der Peschmerga landen regelmäßig im Gebirge, um Soldaten nach Dienstplan auszuwechseln. Für verletzte Eziden ist auf den Rückflügen kein Platz. Sie müssen zurückbleiben – ohne Medikamente. Auch die PKK-Kämpfer im Gebirge greifen nicht ein.

Wir appellieren an die Bundesregierung, die mit deutschen Waffen versorgten Peshmerga zu drängen, im Sindschargebirge sofort zugunsten der Eziden einzugreifen. Wir appellieren weiterhin an die Bundesregierung, ihre Partner in der Anti-IS-Allianz darauf zu drängen, die Eziden über Luft mit Lebensmitteln, Zelten, Medizin, Waffen und Munition zu versorgen und mit Luftschlägen gegen die ISMilitanten im Sindschargebirge vorzugehen.

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