"Der Zusammenhang zwischen dem Zarathustrismus und dem Ezidentum" von Hasso Omriko

von  Hasso Omriko

27 Sept. 2009

In dieser Abhandlung versuchen wir, diesen Zusammenhang hervorzuheben, indem wir folgende Punkte erklären:

Die geographische und historische Entstehung beider Religionen.
Die wichtigsten Symbole und religiösen Feste.
Die wichtigsten Hauptdoktrinen, Riten und Zeremonien beider Religionen.
Die zivilisatorische Schule und die Grundelemente den beiden Religionen und das Verhältnis der Araber als Eroberer zu ihnen.

Und hoffen, damit im begrenzten Umfang eines Vorlesungskolloquium ein möglichst Wahrheitsnahes Bild zu geben. Danach wird Gelegenheit zu positiven und negativen Fragen und Wortbeiträgen gegeben, soweit Sie die Voraussetzungen des Kolloquiums erfüllen. Wortbeiträge müssen a. Religiöse Texte b. Historische Dokumente zitieren.


Zarathustrismus

Der Name leitet sich von Zarathustra, dem Propheten dieser Religion. Das Buch „Jackson: Life of Zoroaster gilt als Autorität in Dingen des Zarathustrismus. Laut Jackson ist Zarathustra eine reelle Person gewesen, keine mythische.

Zarathustra lebte in Aserbaidschan und starb dort 583 v. Chr. im Alter von ca. 77 Jahren. Sein Buch ist „Avesta“, die Erläuterung „Zendo Avesta“. Sein Anfang war in Balch, Persien, wo der Herrscher „Vishtaspa“ ihn unterstützte.

Die Ära war die der Meder, und in dieser Ära fand die große Kulturrevolution Astyages' statt, dem Sohn von Kyaxares, dem Gründer Medias. Ein Ergebnis dieser Revolution ist die Niederschrift einer Gruppe von Grundsatzschriften, später als „Din kurd“. Din Kurd bekannt im 9. Kurdischen Jahr, also 603 v. Chr. Später wurden diese den Arabern als „Ibrahims [Abrahams] Schriftrollen“ bekannt.

Die Geographie: Aserbaidschan ist medisch. Der Name wurde abgeleitet von zer = Gelb, was auch die Farbe des medischen Banners war, nach Vorbild der Sonne. Die Meder waren früher auch unter dem Namen „Das Gelbe Volk“*² bekannt.

Wir vermuten, dass die Verbreitung eines türkischen Dialekts in Aserbaidschan später erfolgte, zwischen 1219 und 1303 und danach, als das aserbaidische „Maragha“ der einfallenden  mongolischen Volksstämme unter Dschingis Khan und seinen Nachfahren und später unter Hülägu und seinen Nachfahren zur Residenzstadt erklärt wurde. In deren Heeren war eine Anzahl türkisch-mongolischer Stämme, die mit den seldschugischen Türken zusammenarbeiteten und später einen Bund unter der Herrschaft der orthodoxen Byzantiner eingingen, insbesondere die Armenier, sowie die von den Aserbaidischen Herrschern Al-Mu'tasim in 833 und Al-Qa'im in 1055 in Kleinasien eingeführten Türken. Als diese Mongolischen Besatzer 1303 zum Ijtihad-Shiitentum konvertierten, wurden die Aserbaidschaner zu Sunniten, um sich von den Besatzern zu distanzieren. Die Gesichtszüge der Aserbaidschaner sind medisch und unterscheiden sich völlig von denen der Mongolen. Im letzten Armenisch-Aserbaidschanischen Krieg unterstützte Iran ihre armenischen verbündeten gegen die Aserbaidschaner.

Das aserbaidische Gebiet erlebt seit über tausend Jahren noch immer andauernde ideologische und religiöse Konflikte und Wettstreite. Zarathustras Religion ist ein Produkt davon. Zarathustras Tod kam nur 34 Jahre vor dem Machtverlust der Meder an die Perser. Die neuen Persischen Herrscher übernahmen die neue Religion und bauten darauf ihr Reich auf.

Wichtigste Religionssymbole des Zarathustrismus:

1.   Das geflügelte Abbild Zarathustras, da dieser vorgab, 3 mal in den Himmel aufgestiegen zu sein, und das Gott mit ihm spreche und ihm Offenbarungen schickte, ihm allein.

2.    Die ewig brennenden Feuer in den Feuerhäusern, die bis zum 3. Jahrhundert des islamischen Kalenders in allen Persischen Städten verbreitet waren.

Die wichtigsten Feste sind zwei mit dem Leben und der Lehre des Zarathustras und den Siegen dieser Lehre verbundene Tage. In der Avesta ist nie die Rede vom „Sersal-Fest“ noch vom „Newroz“ oder vom „Blenda-Fest“.

Die Hauptlehren: Zarathustra predigte den Gott der Güte „Ahura Mazda“, der 101 Namen hat, und als seinen Gegner den Gott des Bösen, „Ahriman“. Zwischen beiden Göttern herrscht ein fortwährender Krieg und jeder Gott hat seine Anhänger. Die Schlange ist eine der Instrumente des Bösen. Am Ende wird Ahura Mazda siegen, und dann werden die Waagen der Gerechtigkeit aufgestellt und die Toten erwachen und ein jeder hält das Buch seiner Taten entweder in seiner rechten oder seiner linken Hand und geht über dem geraden Weg, von dem er je nach seinen im Buch verzeichneten Taten entweder in den Himmel oder in die Hölle fällt.

Er sagte ferner, dass die Besten Arbeiten Landwirtschaft und Viehzucht sind. Er verbot das Fasten, damit der Gläubige stark werde, und die Opferung von Tieren.

Die vier Grundelemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer heiligte er und gründete Feuerhäuser. Er verbot das Begräbnis von Toten, damit die Erde nicht verunreinigt wurde, und ordnete an, sie stattdessen auf hohe Türme zu legen, damit die Vögel sie fressen konnten. Es sagte, die Seele der Toten verlässt ihren Körper erst nach 3 Tagen.

In seinem Buch gestand Zarathustra, dass die echte und ursprüngliche Religion „Din kurd“ sei, und dass er nur gekommen ist, um diese von Neuerungen und Veränderungen zu reinigen. Und er sagte, dass das Universum nach gleichbleibenden Gesetzen läuft. Die Anhänger der alten Religion nannte er in seinem Buch „Daeva Sana“ = Die, die die Überlieferungen lieben, dann bezeichnete er sie als „Scheidani Sana“ = Die, die streng die Überlieferungen befolgen. „Scheidan“ wurde später zu „Scheitan“, und zum Inbegriff von Fanatismus und Ungehorsam. Die erste Schlacht der Zarathustrianer mit den Din kurd Anhänger, war die  Schlacht von Konkas im Jahre 401, in der die Meder beschuldigt wurden, Deva anzubeten.

Die Wissenschaftler sind sich uneinig, ob das Zarathustrismus eine monotheistische oder polytheistische Religion ist. In der Encyclopædia Britannica ist unter „Zoroaster“ zu lesen, dass sie polytheistisch sei. Viele westliche Wissenschaftler sind dieser Auffassung. Arabische- islamische Wissenschaftler wie Shahrastani und Qalaqshandi stuften sie als monotheistisch ein. Houg sagt, sie hätte eine „monotheistische Theologie und polytheistische Philosophie“.

Die muslimischen Araber behandelten die Zarathustrianer als „Buchfolger“, so sagte Omar ibn Al-Khattab: „behandelt sie genau wie die Anhänger anderer Bücher“ und ihr Buch wurde als von Gott offenbart angesehen. Von ihnen war Salman Al-Farsi, ein Anhänger des Propheten Mohammed, der über ihn sagte: „Salman ist einer von Ahl Al-Bayt“ [Familie des Propheten].

Die Methode und kulturelle Schule: Zarathustra ist der Gründer der Propheten- und Gesandtenschule, höchst Einflussreich, denn er betrachtete sich als Gottes Vertreter auf Erden, der Gott besuchte, mit ihm sprach und seine Offenbarungen empfing; seine war die absolute Wahrheit, und was vor ihm kam, endete mit ihm. Er gründete auch die Idee des Ungehorsams, die später in dem Jesus und Mohammed zugeschriebenen weiterentwickelt wird. Auf direktem Einfluss von Salman Al-Farsi festigte sich der Glaube an den Jüngsten Gericht, den Buch der rechten und linken Hand, dem Teufel und dem Aufstieg zum Himmel usw. beim Propheten Mohammed. Zarathustrismus wurde kulturell von den persischen Achämeniden 331 – 549 v. Chr. vertreten, und war in nachfolgenden Epochen nie wieder eine Staatsreligion. Behauptungen des Gegenteils haben keinerlei Anhaltspunkte oder Beweise.


Ezidentum

Der Name leitet sich vom Name Gottes „Yazata“ ab, was bedeutet, der Schöpfer hat Tausend und einen Namen. Nach den ezidischen Texten begann der Name mit der Entstehung der Welt, historisch allerdings ist er mit dem Anfang der Frühdynastischen Periode verbunden, der Ära „Ezdi Sur“, und dem Beginn des Baus von Kolonien, die anfangs mit „Sur“ und dem Ortsnamen benannt wurden, wie „Çîyayê-Sur“ = Hamarain-Berg [Irak], „Sura-Xabur“ = Chabur-Gebiet nahe Al-Hasaka, aus dem der Name Syriens stammt.

Die älteste sumerische schriftliche Erwähnung des Wortes „Ezidi“ stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Das bisher älteste archäologisch entdeckte religiöse Symbol ist die „Schimand-Säule“, datiert 9500 v. Chr., die die Grabungen der Universität Heidelberg in Kopakli Tepa in der Nähe von Dyiarbakir. Es ist eine quadratische Säule aus Stein mit zwei verflochtenen Schlangen, die sich darum winden. Die Quadratische Form symbolisiert den Monotheismus und die Elemente: Wasser, Feuer, Erde, Luft. Die Schlange symbolisiert Ewigkeit und Weisheit vier. Dieses Symbol ist weit verbreitet in der sumerischen und medischen Kultur und allen Arischen Kulturen. Bei den Sumerern wird er „Kadikus“ genannt. Bis heute ist der quadratische Stein in Mekka erhalten, als Überbleibsel der Religion Abrahams, und auch im Scherfedin-Maqam in Sindschar. Die Schlange existiert am Eingang vom Laliş-Tempel und als Symbol an Apotheken überall auf der Welt.

Dann kommt der Kreis als Symbol für Ewigkeit und Endlosigkeit „Girivan“. Im Kreis ist der gleichseitige, bewegliche Kreuz als Mandala. Dieser ist theologisch in allen Kulturen vor der Zeit der Propheten verbreitet. Dann kommt das Senjaq des Engeloberhaupts als Symbol für Die Herabsendung der Seele. Das älteste Symbol ist das des Syrischen Mari-Tempels, datiert 2500 v. Chr. An beiden Seiten des Senjaq stehen zwei Vertreter von „Navina“ = Gerechtigkeit und „Navisissa“ = Gleichheit.

Die Feste sind in zwei Hauptgruppen verteilt: Die erste Gruppe startet am Jahresende mit dem „Cemaiya“, dem Fest der Ernte aller Jahreserträge, dann kommt  „Schischams“ , dann der „Ida Ezid“, dann Den „Blenda“-Fest am 25. Dezember jedes Jahres, welcher den neue Sonnenkreislauf feiert. Die zweite Gruppe sind die Feste am Jahresanfang, die mit dem Fest der Liebe „Xidir Elias“ beginnt, dann kommt Newroz am 21.03., dann der Çarşema Sor Fest am ersten Mittwoch des Nissan nach östlichem Kalender, dann die Gruppe der Pilgerfeste. Alle diese Feste sind mit dem jahreszeitlichen und astronomischen Wandel des Jahres verbunden.

Die Hauptlehren:

1.    Ein Gott, der 1001 Namen hat und der Ursprung des Guten und Bösen ist, und er ist Xweda, das bedeutet er hat sich selbst erschaffen = Perpetuum Mobile.

2.    Ein Xwidan, der die Aufgabe hat, die sieben Hauptengel und alle Geschöpfe mit dem Recht eines eigenen Willen zu verwalten.

3.    Das Universum läuft nach feststehenden Regeln, die kein Fehler und kein Ungehorsam dulden. Das Glauben an die Existenz von Ungehorsamkeit ist eine Ketzerei, da sie gegen den Grundsatz von fest stehenden Regeln verstößt und Gott dem Widersacher gleichstellt.

Es gibt keine Feuerstellen oder Feuerhäuser. Stattdessen gibt es die „Jara“: Im Laliş-Tal werden 360 Jara angezündet, welche ein Symbol für Licht sind, und somit für Gott, dem Licht von Himmel und Erde.

Gottes Absichten in der Erschaffung des Menschen sind „Xweşî“ und „Şahî“, also Leben, Erbauung, Sicherheit und Frieden, und die Erforschung der Grundsätze und Gesetze des Universums mit den Mitteln des Vernunfts, der Weisheit und der beruflichen Kompetenz. Der Mensch besteht aus:

1.      Materie, aus den vier Grundelementen zusammengesetzt.

2.      Der Seele, die ein Teil Gottes ist.

3.      Dem Geist, der die Neigungen des Körpers zum Ausdruck bringt.

Es gibt kein endgültiges Ende, sondern eine Veränderung der Erscheinungsform, genannt „Kiras guhartin“ = Änderung der Erscheinungsform. Die materiellen Elemente kehren zu ihrem Ursprung in der Erde zurück, die Seele steigt hinauf zu ihrem Schöpfer, und der Geist überquert den Geraden Weg, um ihre Belohnung oder Strafe zu bekommen, und erscheint dann wieder. Ein Grundsatz im Ezidentum ist auch, dass die Seele drei Tage um den Leichnam schwebt und ihn dann verlässt. Es gibt keine Propheten oder Gesandte, dafür gibt es die Xawas [die Besonderen] = Die Leute Gottes, die in Keinem Ort und in Keiner Zeit fehlen. Der Weg zu Gott ist groß genug für alle seine Geschöpfe und auf niemanden beschränkt.

Der Glaube muss erscheinen in:

1.      Guten Gedanken

2.      Guten Worten

3.      Guten Taten, wobei letztere ausschlaggebend sind.

Glaubensbedingung sind die fünf Pflichten:

1.      Vernunft

2.      Weisheit

3.      Beruf und Kompetenz

4.      Familiengründung

5.      Verbrüderung innerhalb der Glaubensgemeinschaft.

Der Tod im Ezidentum ist eine Veränderung der Erscheinungsform. Totengericht erfolgt sofort. Der Leichnam gehört in die Erde, aus der er stammt und zu der er zurückkehrt, und ist Rein und unbeschmutzt. Gott ist einzigartig und hat keinen Rivalen. Glauben hat die fünf genannten Bedingungen.

Dagegen ist der Glaube bei Zarathustra und den Propheten und Gesandten ein Glaube an ihr Prophetentum und ihre Bücher und daran, dass sie die absolute Wahrheit besitzen. Daher gilt der Zarathustrismus als der Anfang der Nutzung von Religion zu Politischen Zwecken. Die Zarathustrier bauten mit Hilfe ihrer Religion ihr Reich auf, und dies taten auch die späteren Propheten. Diese Sichtweise startete einen Konflikt zwischen den Gläubigen, die jeweils behaupten, die ganze Wahrheit zu besitzen.

Die Kulturschule der ezidischen Religion ist die Schule des Monotheismus, Monotheismus ohne Verschmelzung, und Aufteilung ohne Loslösung. Es bewahrt die Eigenheit und garantiert die theologische Verbundenheit: Wenn der Gläubige glaubt, dass es nur einen Schöpfer gibt, muss er demzufolge auch glauben, dass es nur eine Religion gibt. Denn alle Gläubigen sind Geschwister. Und ein Ausdruck des Glaubens sind „Xwaşî“und „Şahî“, also Leben, Erbauung, Sicherheit und Frieden. Im Ezidentum heißt es „Xetê cot û I'badat“, und am ersten Tempel der Geschichte 9500 v. Chr. werden „Gebet und Landwirtschaft“ erwähnt. Damit kann der Gläubige in allen Gott zugewandten Religionen eine Form Gottes finden.

Ezidentum und Judentum waren eine Religion, bis Salomon den Ägyptern niederlag, und die Sieben Senjaqs den Syrischen Prinzen übergab. Dann fing die Entfremdung und Eigenheit beider Religionen an. Im Ezidentum gibt es keine Abhängigkeit von den Geschöpfen, sondern nur vom Schöpfer allein. Seikh Adi sagte: „Wenn du ihnen folgst, versklaven sie dich und wenn du dem Schöpfer folgst, zeigt sich das ganze Universum in dir“.

Kulturell wurde die monotheistische Religion durch die Kulturen von Kleinasien und Sumer,  der Hethiten, Hurriten, Phönizier, Meder, Sassaniden, Ayyubiden und Mameluken repräsentiert.

In Europa wurde sie meist als Luziferismus [Teufelsanbetung] bekannt. Papst Gregor IX hat sie 1230 in einer offiziellen Verfügung verboten.

Heute wird die monotheistische Religion durch die arabischen Muahedin [Drusen] vertreten, und durch die Sufisten wie Al-Hallaj, Al-Hasan Al-Basri, Dhu n-Nun al-Misri, Adi ibn Musafir, Abdulkader Al-Kilani, Ibn Al-Arabi Al-Kushk Ibrahim uvm. Und diese sind Xewas [Besondere], also die Leute Gottes, und ihresgleichen fehlen wie gesagt an Keinem Ort und in Keiner Zeit, und bleiben meistens verborgen.

 

 

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