Hoste Necar, ”Meister Tischler”

von Hatab Omar

 

Es war einmal ein bescheidener armer Tischler, der mit seiner Frau in einem kleinen Haus in der Stadt lebte. Der Tischler war sehr fleißig. Alle Menschen waren mit seiner Arbeit zufrieden, weil er sehr gut und ordentlich arbeitete. Er begann mit seiner Arbeit schon sehr früh am Morgen und kam immer erst am späten Nachmittag nach Hause. Dann aß er mit seiner Frau zu Abend und ging mit Gottes Segen sorglos zu Bett.

 Die Menschen in der Stadt nannten ihn  ”Meister Tischler”. Eines Tages wurde dem König zugetragen, dass der Tischler sehr gute Arbeit leiste. Daraufhin schickte der König seine Gesandten zu ihm, die ihn zutrugen, das er sich beim König vorstellen solle. Ein Gesandter rief ihm aus der Ferne zu: “Hey, Du, Meister Tischler! Der König möchte Dich sprechen.

 

 “Der König?" fragte der Tischler Meister überrascht. Sehr ungläubig darüber, dass er gemeint sein könnte. Der Gesandte des Königs rief noch einmal: “Ja, der König. Komm bitte mit uns, beeile Dich, denn der König wartet schon auf Dich".

Der Tischlermeister wusste natürlich nicht, was der König von ihm wollte. Angst überkam ihn und er sann darüber nach, ob er sich in der letzten Zeit irgendetwas zu Schulden hatte kommen lassen.

Dann begab sich der Tischlermeister zusammen mit den Gesandten zum König. Er begrüßte ihn und blieb stumm vor ihm stehen. Der König bot ihm einen Stuhl zum Sitzen an. Der Tischlermeister war natürlich noch immer furchterfüllt, da er noch nicht den Grund seines Besuches kannte.

Der König sprach zu ihm: ”Man nennt Dich hier in der Stadt ”Meister Tischler”, ist das richtig”? Der Tischler antwortete bescheiden: ”Ich bin ein normaler Tischler, wie alle anderen auch, Majestät.” Der König glaubte ihm aber gar nicht und erläuterte dem Tischler, sein Vorhaben.

”Meister Tischler”! rief der König: ”Du sollst innerhalb einer Woche einen Schrank für mich bauen. Dieser Schrank soll so schön sein, dass man auf der ganzen Welt keinen vergleichbaren finden kann. Wenn Du das binnen einer Woche nicht schaffst, werde ich meinen Soldaten befehlen, Dich zu töten.

Daraufhin ging der Tischler traurig nach Hause. Seine Frau hatte ihm bereits ein köstliches Abendessen zubereitet. Allerdings war dem Tischler der Appetit gründlich vergangen, da er sich gar nicht sicher war, die ihm vom König zugetragene Aufgabe, fristgerecht ausführen zu können. Nachdem seine Frau mehrmals nachgefragt hatte, erzählte ihr Mann ihr von seinen Nöten.

Ohne gegessen zu haben, machte sich der Tischler auf dem Weg in seine Werkstatt, denn er durfte keine Zeit mehr verlieren, da es um Leben und Tod ging.

Sechs Tage waren vergangen und der Tischler hatte den Schrank noch immer nicht fertig gestellt. Spät abends ging er traurig nach Hause. Er hatte schon wieder nichts gegessen und getrunken. Seine Frau versuchte vergeblich ihn zu beruhigen. Er konnte allerdings nicht beruhigt werden, da der Schrank am nächsten Tag fertig sein musste.

Aus diesem Grund war auch die Frau des Tischlers bis spät in die Nacht voller Sorge wach geblieben.

Übermüdet und unter Tränen sprach sie zu ihm: ”Meister Tischler! Geh sorglos zu Bett, so wie Du es immer getan hast. Es gibt einen Gott und tausend verschiedene Lösungen. Wer weiß, vielleicht wird der König seine Meinung bis morgen ändern und die Frist für Dich verlängern.”

Die Worte seiner Frau halfen dem Tischler sehr: er legte sich hin und schlief ein. Früh am Morgen klopfte es an seiner Haustür. Der Tischler und seine Frau wachten auf, dann nahmen sie sich weinend in die Arme, da für den Tischler vielleicht die letzte Stunde gekommen war. Als sie die Tür öffneten, erblickten sie einen traurig aussehenden Wachmann des Königs. Ängstlich fragte ihn Meister Tischler: “Was ist los, Wache? Sind Sie traurig, weil der König mich wegen der Nichterfüllung der Aufgabe töten lassen will?” Der Wachmann schüttelte den Kopf und sagte: “Der König ist tot, du sollst jetzt einen Sarg für ihn bauen.”

 

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