Das Dorf Cineriya und Izziddîn Sêr Beg

von Hatab Omar

In der Nähe von Batman, in der Region von Biseri, liegt ein kleines Dorf mit Namen Cineriya. Cineriya ist ein sehr altes Dorf, das von den Heiligen selbst gegründet wurde und dessen Bewohner alle den beiden Xwidanen, den heiligen Altvätern Omerxali und Hesin Ciner angehören. Die Eziden und insbesondere die Pirs verehren die Xwidanen als Engel, die unter den Menschen lebten. Hesin Ciner und Omerxali waren solche heiligen Wesen, und sie waren Brüder, die zu der Zeit von Scheadi, etwa zwischen 1073 und 1163, lebten und später nach Lalisch umsiedelten. Hesin Ciner erbaute einst das Dorf Cineriya.

Viele Male in ihrer Geschichte wurden die umliegenden Gebiete von den Muslimen erobert und viele Male hielt der Glauben den Eroberern stand. Doch durch den Feldzug Izziddîn Sêr Begs in den Jahren 1853-1855 wurde Cineriya berühmt.

Izziddîn Sêr Beg war Kurde, er gehörte der Familie Mîr Bedirxan an und war der Stabschef der gefürchteten Armee von Bedirxan. Auf seinem Zug von Botan bis in die Region Biseri bei Batman gab er den Befehl, alle Eziden und Christen mit Gewalt zum Islam zu bekehren, wenn sie sich nicht sofort freiwillig ergaben. So islamisierte er alle Dörfer auf seinem Weg und baute Moscheen in den eroberten Städten. Schließlich kam er nach Cineriya.

Vor dem Dorf hielt er seinen Zug an und forderte die Dorfbewohner auf, sich ihm zu ergeben und zum Zeichen ihrer Ergebenheit den Islam anzunehmen. Der Vorstand des Dorfes aber sprach: „Melden Sie Ihrem Stabschef, wir werden Sie so bald wie möglich informieren, wie und wann wir zum Islam übertreten“.

Doch zurück in Cineriya rüsteten sich die Männer aus, holten Def û Zurna und fingen an, vor dem Dorf zu tanzen. Izziddîn Sêr Beg sah die Männer tanzen und wurde rasend vor Wut. Kein Volk hatte zu tanzen, wenn der Krieg vor der Tür wartet.

Er schickte seinen Boten aus zu fragen, warum die Männer tanzten. Er sagte: „Wenn sie sich nicht sofort mir unterwerfen, werde ich das ganze Dorf verbrennen, die Männer töten und die Kinder und Frauen als Sklaven mitnehmen!“

Der Bote lief zum Dorf und sprach zu dem Dorfvorstand, was ihm aufgetragen worden war. Doch der Dorfvorstand lachte und sagte ihm: „Geh zu Deinem Stabschef und informiere ihn, dass der Krieg für uns gleich wie eine Hochzeit ist. Denn wir suchen schon lange einen Verrückten wie Izziddîn Sêr Beg, mit dem wir kämpfen wollen. Heute hat Gott ihn uns als Geschenk geschickt“. 

Der Bote kehrte zurück und überbrachte die Antwort. Als Izziddîn Sêr Beg hörte, dass die Männer tanzten, weil sie ihn als Gegner gefunden hatten, erzitterte er vor Angst und er wandte sich an seine Soldaten: „Wenn wir mit diesen ungläubigen Dorfbewohnern kämpfen, werden wir viele Soldaten verlieren, wir müssen uns zurückziehen. Erst wenn wir die ganze Gegend erobert haben, werden wir wiederkehren, denn dann wird uns der Sieg sicher sein.“

Izziddîn Sêr Beg zog sich zurück und zog weiter in seinem Krieg. Er kämpfte gegen andere Siedlungen, bis er gegen einen anderen ezidischen Stamm unterlag und schließlich den Krieg verlor. Er kam nie wieder nach Cineriya zurück. Und so wurde Cineriya befreit!

 

Unterstützen Sie uns