Informationsveranstaltung der Ezidischen Akademie in Celle

Cellesche Zeitung, 03.10.2010

von Oliver Gatz

Identität unter den Eziden stiften, über ihre Religion aufklären und sie mit dem deutschen Rechts- und Wertesystem vertraut machen: Das ist das Ziel der Ezidischen Akademie, deren Vertreter kürzlich das Konzept in Celle vorstellten. Doch nur eine Handvoll Celler Eziden kamen zu der Informationsveranstaltung.

CELLE. Auf nur geringe Resonanz ist die Informationsveranstaltung über das geplante Angebot einer ezidischen Akademie in Celle gestoßen. Einschließlich der Referenten und aktiven Teilnehmer hielten sich am vergangenen Freitag in der Alten Exerzierhalle gerade einmal 60 Menschen auf. Darunter befanden sich rund 20 Eziden – die meisten aus Hannover und Umgebung. Lediglich eine Handvoll Celler Eziden kam zu der Veranstaltung.

Die letzten beiden Vorträge am späten Nachmittag mussten sogar abgesagt werden, weil sich niemand mehr in der Halle befand. Akademie-Begründer Hatab Omar räumte organisatorische Fehler ein. Er bedauerte das geringe Interesse des Ezidischen Kulturzentrums Celle und Umgebung und der Plattform Ezidischer Celler (PEC), die Veranstaltung im Celler Raum bekanntzumachen. „Die haben nicht mitgespielt“, sagte Omar. Die Ezidische Akademie werde von diesen Celler Gruppen offenbar als konkurrierende Organisation betrachtet.

Die Akademie – ein eingetragener Verein – wurde im September 2009 in Hannover gegründet. Sie hat das Ziel, im Rahmen von Kursen über die Religion aufzuklären, Identität unter den Eziden zu stiften und sie mit dem deutschen Rechts- und Wertesystem vertraut zu machen. Das Angebot richtet sich an Kinder und Erwachsene und soll die Integration fördern. Der Verein hat nach Angaben von Omar rund 20 Mitglieder – Dozenten aus verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen, zu denen der Akademie-Gründer Kontakt hat und die bislang ehrenamtlich arbeiten.

„Die Ezidische Akademie sieht ihre Aufgabe darin, ezidischen und kurdischen Familien das Leben in einer zufriedenstellenden Bikulturalität zu ermöglichen – das heißt, unter Bewahrung der eigenen Kultur den Blick für die Erfordernisse des Lebens in der neuen Heimat zu öffnen“, heißt es in einem Schreiben an die niedersächsische Integrationsbeauftragte Honey Deihimi, die auch an dem Informationsnachmittag in Celle teilnahm.

Die Akademie verfolgt das Ziel, feste Kurse in mehreren Städten anzubieten. Dazu benötigt sie Geld. Omar hofft auf finanzielle Unterstützung der Stadt Celle und des Landes. „In Celle gibt es genug Probleme, die angegangen werden müssten“, sagte er.

Celle war der – misslungene – Auftakt einer Reihe von Informationsveranstaltungen. Die Akademie will sich auch in Oldenburg, Nienburg, Hannover und anderen norddeutschen Städten präsentieren – überall dort, wo Eziden beheimatet sind.

 

 

 

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