Eziden-Zentrum: viele Fragen bleiben offen

Westfalen-Blatt, 20.05.2010

Herford. Die Bürgerversammlung zum Eziden-Zentrum in Laar war ein erster Schritt der Annäherung: Mitglieder der Glaubensgemeinschaft erläuterten am Dienstag ihre Pläne. Einblicke in die ezidische Kultur lieferte am Dienstag Hatab Omar von der Ezidischen Akademie Hannover.

 

 

Die Herforderin Karin Gehrke machte im Rathaus auf die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit aufmerksam. Fotos: Moritz Winde

Anwohner nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Sorgen zu artikulieren. Am 2. Juni soll das Bauleitplanverfahren starten. Hatab Omar (Ezidische Akademie) Was das Hotel Ehrler in Elverdissen und das Gasthaus Sahrmann in Laar als Standort unterscheide, wollte ein Anwohner wissen. In Elverdissen handele es sich um ein Mischgebiet, in Laar befinde sich das Gasthaus im Außenbereich, erläuterte Baudezernent Dr. Peter Böhm.

Auch dort müssten aber Schallschutzauflagen erfüllt werden. Zurzeit sei die Zahl der Stellplätze bei Sahrmann höher als erforderlich. Bei Ehrler sei der nächste Nachbar 35 Meter entfernt gewesen, an der Laarer Straße weniger als 28 Meter, stellte ein besorgter Anwohner aus der Dahlienecke fest. Ob die Nähe zur Wohnbebauung in Laar das beantragte Gemeindezentrum ausschließe, könnten erst Berechnungen durch ein Fachbüro klären, sagte Böhm.

Anwohner Helmut Kwast riet den Eziden, über einen Neubau nachzudenken und empfahl ein Industriegebiet als Standort. Das veranlasste Bürgermeister Bruno Wollbrink zu dem Hinweis: »In Deutschland muss sich niemand rechtfertigen, wenn er Eigentum erwerben will.« Irmgard Pehle (Grüne) beklagte, dass ein Dialog nicht stattfinde. Stattdessen gebe es Telefonterror. Ein Anrufer habe sich gar beschwert, dass sich in Laar »menschliches Unzeug breit macht«, berichtete sie betroffen. Offiziell in die Vereinsliste der Ezidischen Gemeinde OWL eingetragen seien 200 Mitglieder, sagte ein Vorstandsmitglied: »Allerdings haben sich viele auch zurückgezogen.«

Offen blieb die Frage, warum die Eziden Verstorbene in Herford betrauern wollen und nicht in Bielefeld, da es auf dem Sennefriedhof ein Gräberfeld für Eziden gebe. Keine klare Antwort gab es auf die Frage, ob der ezidische Verein, der das Gasthaus in Laar nutzen will, identisch sei mit einem gleichnamigen Verein in Bielefeld, der sich um die dortigen Gräber kümmere. Bürgermeister Wollbrink erinnerte daran, dass in Herford 25 Prozent an Bürgern mit Migrationshintergrund leben: »In wenigen Jahren werden es 33 Prozent sein.« Auch das Gemeindezentrum biete eine Chance, die Integration mitzugestalten.

Einblicke in die ezidische Kultur lieferte am Dienstag Hatab Omar von der Ezidischen Akademie Hannover. Die Eziden stammten ursprünglich aus dem Gebiet der heutigen Türkei, aus Syrien, Iran, Irak, Armenien und Georgien. Weltweit gebe es etwa 1 Million Eziden. Die ezidische Religion sei monotheistisch, also auf einen einzigen Gott ausgerichtet. Propheten gibt es nicht, wohl aber heilige Figuren. Dreimal jährlich soll gefastet werden, zudem finden 13 Feste pro Jahr statt, die laut Omar mit astronomischen Phänomenen zu tun haben. Die Eziden pflegten gute Beziehungen zu Christen. Schriftliche Dokumente aus den Anfängen der ezidischen Gemeinschaft seien nicht vorhanden. Weil die Eziden überall in der Welt verstreut lebten, gebe es auch eine Vielzahl unterschiedlicher Ausrichtungen des ezidischen Glaubens.

 

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