Spielen und lernen in der Familie hilft beim Lernen - Eltern fördern – Kinder stärken“ bietet Erfahrungsaustausch

von Sabine Szameitat

Eine bunte Themenvielfalt bot sich den Gästen einer Veranstaltung der Ezidischen Akademie zum Thema „Eltern fördern – Kinder stärken“. Fünf ReferentInnen aus Ministerien, Vereinen und Elternvertretungen trugen bei der Podiumsdiskussion am 8. Dezember im Veranstaltungszentrum in Lehrte aus unterschiedlichen Blickwinkeln Informationen zum Thema bei. Bei der anschließenden Diskussion kamen auch sehr persönliche Erfahrungen zur Sprache.

„Migration und Integration sind seit 2007 zentrale innenpolitische Themen geworden“, erklärte Eckhardt Lotze vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. Er erinnerte daran, dass beispielsweise in der Türkei ein völlig anderes Schulsystem gelte. Das sollten Lehrer bedenken, wenn sie wollen, dass sich Eltern mit Migrationshintergrund mehr einbringen.

„Wenn die Kinder die deutsche Sprache gut beherrschen, die Eltern aber nicht, spielen die Kinder das gern aus“, berichtete Karsten Oppermann, Lehrer mit 30-jähriger Berufserfahrung. „Sie legen schon mal der Mutter einen schriftlichen Tadel aus der Schule zum Unterschreiben vor und machen ihr vor, es gehe um ein Sommerfest.“ Auch behaupteten Kinder zuhause gern, dass alle deutschen Kinder einen Fernseher im Zimmer hätten. Dabei sei erwiesen, dass sich Fernsehen kontraproduktiv auf de Schulerfolg auswirke. „Eltern müssen wieder Eltern sein und den Kindern sagen, wo es langgeht“, forderte Oppermann. Es gehe nicht an, dass so viele Kinder mit Migrationshintergrund die Schule ohne Anschluss verlassen. Als Mitglied des Ausländerarbeitskreises Lehrte und des Kinderschutzbundes kritisierte er das fehlende Engagement vieler kurdischer Eltern: „Sie werden eingeladen und kommen nicht.“

Dass es auch anders geht, zeigte Hatab Abdu Slo von der Ezidischen Akademie am Beispiel  der 77-jährigen Irmgard Nikolai aus Hänigsen vor. Die mehrfache Großmutter hatte jahrelang ihrem zwölfjährigen Nachbarn Judy Omar, der in die Sonderschule sollte, bei den Hausaufgaben geholfen, so dass er schließlich die Realschule besuchen konnte.

„Eltern müssen lernen, mit ihren Kindern zu spielen“, forderte Oppermann, und war da einer Meinung mit Birgit Steckelberg vom Verein Kargah, Hannover. Unter dem Motto „Wir erspielen uns die Welt - Interkulturelle Spielforscher unterwegs“ berichtete sie von einem Projekt in Linden, bei dem Kinder und Erwachsene Spiele aus aller Welt sammeln und vergleichen. „Auf diesem Weg begegnen sich die Generationen, denn gespielt hat jeder Mensch einmal“, meinte sie.

„Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind“, erinnerte Claudia Schanz vom Niedersächsischen Kultusministerium die Gäste im Veranstaltungszentrum. „Wir müssen das Zusammenwirken von Elternhaus und Schule verbessern, denn das fördert das schulische Lernen und den Bildungserfolg“, erklärte die Fachreferentin für Integration durch Bildung und für Interkulturelle Öffnung der Schule. „Aber Eltern mit Migrationshintergrund sind in den Elternvertretungen viel zu selten vertreten, und im Landeselternrat gar nicht.“ Die Diplompädagogin für interkulturelle Kommunikation nannte eine Reihe von Möglichkeiten, sie einzubinden. „Kuchenbacken für Schulveranstaltungen ist zu wenig!“ erklärte sie.

Darüber ist auch das Migranten Eltern Netzwerk (MEN) schon lange hinweg, das vor einem Jahr in Hannover gegründet worden ist. Banafsheh Nourkhiz von der Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge (AMFN), einer Selbstorganisation von Migranten, berichtete über die Erste Regionalkonferenz in Braunschweig mit 144 Teilnehmern. Vertreter von Migrantenverbänden und Fachleute aus Wissenschaft, Bildungs- und Beratungsarbeit hatten dabei Workshops zu Themen wie frühkindliche Sprachförderung, berufliche Qualifizierung und Mitwirkung von Eltern in Schulgremien besucht.

>> zur Fotogalerie

 

Unterstützen Sie uns