Traditionsverein und Yeziden füllen Integration mit Leben - Start in der Kreisliga B 1

Gießener Anzeiger

06.07.2010 - LOLLAR

GIESSEN (V/wi). Wer kennt sie nicht mehr, die Anthes-Brüder oder Torhüter Handloser. Namen mit Klang in den 70er- und 80er-Jahren. Der SV Daubringen war im heimischen Fußballkreis eine gute Adresse, der Rotascheplatz vor dem Ortseingang vom Lollarer Nordkreuz kommend gefürchtet.

Nachdem die goldene Generation aber in den Alte-Herren-Ruhestand ging, wurde es Schritt für Schritt auch ruhiger bei den Senioren, ehe der SV zunächst eine Spielgemeinschaft mit dem SV Staufenberg einging, um dann komplett aus dem Spielbetrieb zu „verschwinden“.

Ab der Saison 2010/2011 ist der SV Daubringen aber wieder am Start und geht mit einer Mannschaft in der Kreisliga B 1 auf Punktejagd.

„Wir sind rund 20 Fußballinteressierte mit Migrationshintergrund aus dem Raum Gießen/Lollar, die gerne zusammen für ihren Verein spielen würden. Wir wollen uns in ihren Verein integrieren.“ So lautete das „Bewerbungsschreiben“ der Yeziden an den SV Daubringen, nachdem die Gruppe wochenlang zusammen trainiert hatte und aufd Initiative von Özkan Ortac den Verein kontaktiert hatte. Die Yeziden stellen eine religiöse Minderheit der Kurden dar und leben im Iran, dem Irak, der Türkei und in Syrien. Rund 60000 Yeziden leben mittlerweile in Deutschland.

Initiator Özkan Ortac

Eine größere Gruppe von Yeziden leben bereits seit 20 oder 30 Jahren in Gießen und Umgebung, einige von ihnen, so Ortac, sind sogar hier geboren. „Wir sind Teil dieser Gesellschaft, wir wollen Integration leben und in Taten umsetzen“, so beschreibt Özkan Ortac, Trainer und Spielbetriebsleiter, die Intention, nicht einen eigenen Verein zu gründen, sondern beim SV Daubringen „Erwachsenen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine sportliche Perspektive zu bieten“.

Der Vorstand des SV Daubringen stand dieser Anfrage offen gegenüber und unterstützte das Projekt, das schnell weiteren Zulauf fand. Die Öffnung bezeichnet Ortac als beispielgebend für andere Sportvereine, aber auch für andere Migrationsgruppen, damit der Sport seine Funktion als Integrationsmotor erfüllt.

Denn wie heißt es so schön im während der Weltmeisterschaft schon so oft gezeigten Fernsehspot des DFB: „Was haben diese Frauen und Männer gemeinsam? Ihre Kinder spielen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.“

Kreisfußballwart Henry Mohr wird es mit Freude vernommen haben. Mit dem SV Daubringen kehrt eine traditonsreiche Adresse auf die Fußballbühne zurück. Der Verein aus dem Lollarer Stadtteil hat mit der Aufnahme einer fußballgeisterten Gruppe von Yeziden zudem ein Zeichen für Integration gesetzt. Foto: Ben

http://www.giessener-anzeiger.de/sport/lokalsport/fussball/9111495.htm

 

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